Wie wird dieses Obst produziert? Ein genauerer Blick auf die Arbeitsbedingungen im südafrikanischen Obstsektor

In seiner Masterarbeit untersucht Sylvester Neba die Arbeitsbedingungen im südafrikanischen Obstexportsektor. Im Gespräch gibt er Einblicke in seine Recherche und die Herausforderungen, die ihm dabei begegnet sind.

Drescher: Schön, dich endlich zu treffen! Wir haben schon seit einiger Zeit versucht, ein Treffen zu vereinbaren, aber du warst ziemlich beschäftigt … 

Neba: Ja, ich besuche gerade einen Deutsch-Intensivkurs. Da ich kein Stipendium habe, habe ich während meines gesamten Masterstudiums gearbeitet, um studieren zu können. Neben Arbeit und Studium blieb nur sehr wenig Zeit, und mein Deutschkurs musste hinten anstehen. 

„Das Thema ist relevant, weil es in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten ein erhöhtes Risiko für soziale und ökologische Probleme gibt.“ 

Drescher: Erzähl uns bitte etwas über deine Masterarbeit. Worum geht es? 

Neba: Ich habe eine Literaturrecherche durchgeführt, um mir einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu den Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen und Arbeitern zu verschaffen. Das ist deshalb relevant, weil es in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten ein erhöhtes Risiko für soziale und ökologische Probleme gibt; Weltweit ist die Landwirtschaft für rund 70 Prozent der Kinderarbeit und über 12 Prozent der Zwangsarbeit verantwortlich. Um das Thema einzugrenzen, habe ich mich dann auf Südafrika und dessen Obstexporte konzentriert. 

Drescher: Okay. Und warum hast du dich für Obstexporte entschieden? 

Neba: Südafrika gehört tatsächlich zu den weltweit führenden Exporteuren von Zitrusfrüchten, Trauben, Äpfeln und Birnen. Der Zitrussektor ist also gewissermaßen ein Grundpfeiler der Wirtschaft, weil er erhebliche Devisen einbringt und Arbeitsplätze schafft. Für diese Produkte ist die EU der wichtigste Handelspartner. Daher sind EU-Regulierungen für Südafrika sehr wichtig. 

Drescher: Ich nehme an, du hast dich auf eine bestimmte Regulierung konzentriert, oder? 

Neba: Oh ja, alles andere wäre viel zu viel gewesen! Ich habe mir die Corporate Sustainability Due Diligence Directive der Europäischen Union (EU-CSDDD) angeschaut. Jahrelang gab es freiwillige Leitlinien für Unternehmen, um die Menschenrechte zu schützen, und einige Unternehmen haben das auch getan. Die EU-CSDDD ist jedoch rechtlich bindend. Mit der EU-CSDDD sind Unternehmen verpflichtet, Risiken in Bezug auf Menschenrechte und Umwelt entlang ihrer Lieferketten zu identifizieren, zu verhindern, zu mindern und darüber Rechenschaft abzulegen. 

Drescher: In Deutschland gibt es ein ähnliches Gesetz, das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Deutsch ist so eine schöne Sprache … 

Neba: Ja, Deutschland hat mit dem LkSG begonnen, und jetzt gibt es die EU-CSDDD. Aber zum Schutz der Menschenrechte gibt es solche Regelungen schon seit Jahrzehnten und sie sind auch seit Langem anerkannt. Seit 1966 gibt es zum Beispiel verbindliche Verpflichtungen im „Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (ICESCR)“ und Vereinbarungen zu Kernarbeitsnormen, etwa zum Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit, der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) aus dem Jahr 1998. 

Aber um auf meine Arbeit zurück zu kommen, im Grunde wollte ich wissen:

  • Wie sind die Arbeitsbedingungen im südafrikanischen Obstexportsektor?
  • Wie wirksam sind die südafrikanischen Arbeitsgesetze und Durchsetzungsmechanismen bei der Regulierung dieser Bedingungen?
  • Welche potenziellen Auswirkungen hat die EU-CSDDD auf die Arbeitsbedingungen im Obstexportsektor? 

Drescher: Würdest du uns ein wenig über deinen Arbeitsprozess erzählen? 

Neba: Ich habe die Forschungsidee ganz allein entwickelt. Von Zeit zu Zeit habe ich meinen Entwurf vorgestellt, zum Beispiel Professor Wieck. Aber meistens habe ich eigenständig gearbeitet und meine Zeit sowie meinen Fortschritt selbst organisiert. 

Drescher: Mit welchen Daten hast du gearbeitet? Und wie? 

Neba: Das war schwierig … Insgesamt hatte ich 29 Publikationen, darunter 15 wissenschaftliche Arbeiten und 14 von Institutionen oder politischen Gremien. Da meine Betreuerin, Professor Wieck, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) ist, hat sie mich auf einige relevante Veröffentlichungen dort hingewiesen. Nachdem ich vielversprechende Arbeiten identifiziert hatte, habe ich sie durchgesehen. Alles, was ich relevant für meine Forschungsfrage fand, habe ich in einer Tabelle festgehalten. So bekam ich einen Überblick über die Ergebnisse. Ich habe Zotero genutzt, um die verwendete Literatur zu verwalten. Außerdem habe ich KI eingesetzt, um einige Arbeiten zu finden. 

Drescher: Es klingt, als hättest du es als etwas schwierig empfunden, relevante Daten zu finden … 

Neba: Ja, das Sammeln aller Daten war der schwierige Teil. Zunächst hatte ich deshalb an mein Heimatland Kamerun gedacht. Allerdings gibt es dort einen Mangel an verlässlichen Datenquellen. Außerdem ist Kamerun ein zweisprachiges Land (Englisch und Französisch), und ich spreche kein Französisch, daher wollte ich genügend Daten auf Englisch haben. So bin ich auf Südafrika gekommen. Aber auch dort war es schwierig, tatsächlich Artikel zu finden; das hätte ich nicht gedacht.

„Der Obstexportsektor in Südafrika schafft viele Arbeitsplätze, doch ein großer Teil davon ist saisonal und informell.“

Drescher: Am Ende hast du es also geschafft. Was hast du herausgefunden? 

Neba: Insgesamt schafft der Obstexportsektor in Südafrika viele Arbeitsplätze, doch ein großer Teil davon ist saisonal und informell. Besonders für Saisonarbeitskräfte reichen die Löhne oft nicht aus, um die grundlegenden Lebenshaltungskosten zu decken. 

Außerdem entwickeln die Verantwortlichen auf den landwirtschaftlichen Betrieben Strategien, um diese Regelungen zu umgehen. Zum Beispiel, indem keine Verträge ausgestellt werden oder nur für kurze Zeit eingestellt wird. Einige der von mir gefundenen Studien deuteten außerdem darauf hin, dass die Leitung sogar eine Gruppe von Menschen zusammenstellt und sich beim Besuch der Zertifizierungsstelle so verhält, als handele es sich dabei um die Gewerkschaft der Beschäftigten. Obwohl Südafrikas Arbeitsgesetze umfassende Schutzrechte für Beschäftigte vorsehen, werden sie also nicht wirksam umgesetzt. Der entscheidende Punkt ist die lückenhafte Kontrolle. Wenn es eine bessere Abdeckung durch die Arbeitsinspektion gäbe, insbesondere in abgelegenen landwirtschaftlichen Regionen, könnten sich die Arbeitsbedingungen verbessern. 

Drescher: Was würdest du Politikerinnen und Politikern in Südafrika oder anderen Ländern noch empfehlen? 

Neba: Ich habe festgestellt, dass die Kommunikation zwischen den Zertifizierungsstellen und der Regierung verbessert werden sollte. Denn die Zertifizierungsstellen verfügen über das Wissen zu Problemen und Mängeln, die vor Ort auftreten, haben aber nicht die Befugnis, die Regelungen entsprechend zu ändern. Die Regierung hingegen schon, diese ist sich dieser Probleme aber möglicherweise nicht ganz bewusst.

„Die EU-CSDDD ist eine Chance für Reformen.“

Drescher: Und zurück zur CSDDD: Was hast du zu den Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen herausgefunden? 

Neba: Wenn sie wirksam umgesetzt wird, kann die EU-CSDDD die Rechenschaftspflicht stärken und zu gerechteren Arbeitsbedingungen beitragen. Sozusagen ist sie eine Chance für Reformen. Kritisch sehen andere Autorinnen und Autoren und ich, dass Regierungen wie die Südafrikas nicht in den Entwicklungsprozess der Due-Diligence-Richtlinie einbezogen wurden. Dennoch werden sie indirekt betroffen sein, da einige Sektoren ihrer Volkswirtschaften vom Handel mit der EU abhängen. 

Drescher: Eine Masterarbeit zu schreiben ist hart. Wie hast du den Prozess erlebt, gab es etwas, das dir geholfen hat, wenn du nicht weiterwusstest?

"Ehrlich gesagt hätte ich während meiner Masterarbeit alles dafür gegeben, die Arbeit zu überspringen und stattdessen mehr Module oder zusätzliche Prüfungen zu absolvieren."

Neba: Uff, Schreiben ist sehr schwer! Ehrlich gesagt hätte ich während meiner Masterarbeit alles dafür gegeben, die Arbeit zu überspringen und stattdessen mehr Module oder zusätzliche Prüfungen zu absolvieren. Da sitzt man ganz allein und ist ständig mit demselben Thema konfrontiert – das ist hart. Manchmal wurde es mir auch etwas langweilig, immer wieder dasselbe zu machen. Also habe ich die Arbeit beiseitegelegt und etwas anderes gemacht, um wieder frisch anzufangen. Außerdem habe ich mich mit Freunden getroffen, zum Beispiel in der Bibliothek. Ich habe also überall geschrieben: in der Bibliothek, zu Hause, mit Freunden oder allein. Das hat mir geholfen. 

Drescher: Gibt es etwas, das du im Nachhinein anders gemacht hättest? Einen anderen Ansatz oder eine andere Methodik, die interessant gewesen wäre? 

Neba: Rückblickend denke ich, ich hätte vielleicht eine quantitative Studie gewählt. Ich habe Module in Ökonometrie belegt, daher weiß ich, wie man mit Statistikprogrammen wie R und STATA arbeitet, aber am Ende war meine Arbeit eher qualitativ. In den Stellenanzeigen, die ich bisher gesehen habe, sind quantitative Fähigkeiten offenbar stärker gefragt. Obwohl ich persönlich es bevorzuge, die Sichtweisen von Menschen zu hören oder zu lesen und nicht nur auf Zahlen zu schauen. 

Drescher: Nun hast du deine Arbeit erfolgreich verteidigt, und dein Studium hier in Hohenheim geht zu Ende. Was hast du jetzt vor? Welche Pläne hast du für diesen Sommer? 

Neba: Abgesehen von meinem Deutschkurs suche ich einen Job. Ich bin offen für alles, was mit Agrarökonomie zu tun hat. Außerdem hatte ich bisher nicht die Gelegenheit, viel anderes zu machen als zu studieren und zu arbeiten. Deshalb wäre es schön, mehr von der Gegend zu sehen, Straßburg zu besuchen und vielleicht noch einige andere europäische Länder. 

Drescher: Vielen Dank, und alles Gute für deine Zukunft!

Für Feedback zu diesem Online-Artikel wenden Sie sich bitte an Anne Line Drescher.

Für fachliche Fragen zu Ihrer Masterarbeit, kontaktieren Sie bitte an Sylvester Neba.